Die «12 Ur-Concenti» (auch scherzhaft «die 12 Apostel genannt») bestanden ab dem 1960igern als stabile Gruppe, die sich je nach Besetzung um andere Personen erweiterte.
Nikolaus Harnoncourt – Violoncello, Viola da Gamba, Baryton, Tenorgeige (Der „Teufel) und künstlerischer Leiter
Alice Harnoncourt – Violine, Violino piccolo, Viola, Viola d’amore, Pardessus de Viole, Portativ | Konzertmeisterin
Josef De Sordi – Violine, Viola,
Walter Pfeiffer – Violine, Violino piccolo
Peter Schoberwalter – Violine
Kurt Theiner – Viola, Pardessus de Viole, Violine, Viola d’amore, Portativ
Hermann Höbarth – Violoncello, Viola da Gamba
Eduard Hruza – Violone (ganz am Anfang Schlagwerk)
Jürg Schaeftlein – Blockflöte, Oboe, Piffaro
Leopold [Poldi] Stastny – Flöte, Blockflöte
Otto Fleischmann – Fagott, Dulzian
Herbert Tachezi – Cembalo, Orgel
Autor: Thomas Rink
Quelle: Mertel, Denken, S. 140 AH, NH, Ernst Knava, Hermann Höbarth, Kurt Theiner, Edi Hruza, Josef die Sordi, Leopold Stastny, Peter Stummer (1927-2000)/Peter Ronnefeld (26.1.1935 - 6.8.1965)
Alice Harnoncourt, Kurt Theiner, Eduard Hruza, Hermann Höbarth & Nikolaus Harnoncourt bei einer Probe in der Wohnung der Harnoncourts (Josefstädterstraße 17, Wien)
Zuerst mussten sehr gute und spielbare Instrumente gefunden werden, mit Saiten bei den Streichern experimentieren, Tonhöhen festlegen (beim frühen CMW für Barock überwiegend Hz 421 wegen der Paulhahn-Oboe und offenbar auch wegen der beiden Weiner Fagotte), entsprechende Barockbögen und mit deren Haltung Versuche starten.
Überhaupt ist der Aufbau der Instrumentensammlung toll zu lesen. Dann muss man das Experimentieren mit den Saiten bei den Streichinstrumenten bedenken: Bei den Geigen handelt es sich dabei um blanken Darm, ausschließlich die G-Saite ist mit Silber- oder Kupferdraht umwickelt, auch die Benutzung der vielfältigen Bögen (den einen Typus des ‘Barockbogens’ gibt es eben nicht. Tatsache aber ist, dass Barockbögen für Violinen kürzer - meist 65 bis 67 cm und leichter - um die 45 Gramm als sogenannte “Tourte”-Bögen sind) musste experimentell geklärt werden. Weiterhin ist die Frage der Haltung von Geigen und Bratschen ein Thema: Johann Jacob Prinner schreibt in seinem 1677 erschienenen Buch “Musicalischer Schlissel” auf das sich NH bezieht, dass man zur Unterstützung das Kinn benutzen soll. Der Streit zwischen Sigiswald Kuijken und Harnoncourts: „Chin on vs chin off“ spaltet auch heute noch die Lager der Streicher. Es gibt einen Mitschnitt von Radio Bremen des Doppelkonzerts BWV 1043 mit AH und Kuijken in den Solopartien, Christian und Claudia sind diesbezüglich von mir informiert und wollen sich um den Tonträger kümmern) Auch die sogenannte Oberarmhaltung bei den Gamben ist ein Streitthema. Da AH und Kurt Theiner die Pardessus-Instrumente in Geigenhaltung gespielt haben, lag es nahe, auch die tiefen Gambeninstrumente mit Oberhandbogen zu spielen. Es gibt aber, beigefügt, ein Foto aus dem Buch “Meine Familie”, wo NH und Hermann Höbarth die Bögen in Unterhandhaltung benutzen.
Mertl/Turkovic Die seltsamsten Wien, S. 45 ff – Bezüglich der Stainer-Violinen gibt es hier einen Fehler auf S. 47. AH spielte zunächst die Stainer 1677, dann (vermutlich ab 1961/62) die 7/8 Stainer 1658, deren Löwenköpfchen auf die 1677er gesetzt wurde (schön im Beiheft der LP Vivaldi, Antonio: Concerti a cinque, a quattro, a tre um 1705-1720 | Harnoncourt) zu sehen. Die Stainer 1665 – jetzt bei EvM – hat AH seit 1968/69 bis zu ihrem Tod gespielt. M.W. erste solistische Einspielung ist BWV 1045